// Aaron Fieß

Lagerfeuer im Kellerraum

Da ist dieser Ort. Ein etwas langgezogener Kellerraum, links und rechts mittig sind die Bühnen (ich erlaube mir hier, das Wort Bühne sehr frei zu benutzen), einmal eine Badewanne mit Laptop und kleinem Mischpult, die andere Bühne ist eine kleine Erhöhung, wie eine Tanzfläche, aber nur ca. ein Quadratmeter groß, bei beiden Bühnen hängt ein Mikro von der Decke. Rundherum Stühle, Bänke, andere Sitzmöglichkeiten. Leise Elektromusik.

Ein junger Mann kommt und drückt manchen Zuschauern einen Eiswürfel in die Hand. Der Mann setzt sich in die Badewanne und die Musik beginnt. Die dröhnenden Bässe geben ein Grundfeeling vor. Etwas aggressiv das Ganze, aber vielleicht ist das auch nur meine Einstellung zu Elektromusik. Ein anderer Mann kommt auf die Bühne, er hat einen Anzug an. Sie reden miteinander, aber die Musik überdröhnt alles. Ein paar Handzeichen. Der Anzug-Mann zieht sein Jackett aus, zieht etwas an, das aussieht, als könnte es eventuell eine Winterjacke sein. Hauptsache, es hat eine Kapuze. Kapuze auf, beide Füße auf die Erhöhung, Mikro in die Hand, hingekniet und schon wird die Musik durch eine eigenwillige Interpretation des Gesanges erweitert. Irgendwann steht der Anzug-Mann auf und fängt an eine komische Geschichte über einen Mann und eine Frau zu erzählen. Die Geschichte ist zu Ende und nun fängt das Stück richtig an. Der Anzugmann stellt sich als Jakob vor, der Badewannenmann als Tobi. Jakob bezeichnet Tobi als seltsam und sich selbst als abgefuckt. Jakob führt durch den Abend.

Das Thema ist sein Leben, vor allem seine Ehe, seine Arbeit und seine Depression. Die Geschichte an sich ist niederschlagend, aber das mit Witz. Jakob tut einem leid, aber man lacht auch über die unglaublichen Dinge, die ihm passieren. Der Trick ist: Es ist immer ein Stück zu überzogen. Keine dieser Geschichten würde es im realen Leben geben. Es ist immer ein bisschen zu bedrückend, immer ein bisschen zu absurd. Die Geschichte ist gut ausgedacht mit ein paar netten Kniffen, wirklich neu ist das Ganze aber nicht.

Das Herz des Ganzen ist die Nähe zum Publikum, die immer wieder frisch gemixte Musik und das abwechselnde Licht. Meistens ist der Spot auf Jakob gerichtet, während er erzählt. Hier wird Atmosphäre erzeugt. Die moderne Version einer Lagerfeuergeschichte.

Aaron Fieß studiert Politikwissenschaft und Philosophie an der Georg-August-Universität in Göttingen. Nachdem er in der Schule bereits an einigen Produktionen als Schauspieler beteiligt war, wollte er eigentlich Schauspiel studieren, wurde allerdings nie irgendwo angenommen. Nun versucht er sein Glück auf der anderen Seite des Spielfeldes und schreibt über das, wovon er eigentlich hätte Teil werden wollen.