// Diana Tyebally

Das strahlende Licht des Mondes scheint - und darin sehen wir uns

Wie ein Spiegel gegen den dunklen Vorhang der Nacht sehen wir im gläsernen Mond unser Spiegelbild. Wir finden uns darin. Und so haben wir uns vielleicht wirklich gefunden, als wir auf den Mond landeten. Man sagt, es komme nicht auf das Ziel an, sondern auf den Weg. So sah also die Menschenrasse aus: konkurrierend, zielstrebig, unterstützend und abenteuerlustig. Es geht um den Prozess. Fünf Schauspieler stellen unterschiedlichen Persönlichkeiten dar, darunter auch diejenigen Menschen, die die Fahrt in das Weltall möglich gemacht haben. Übersehen wurde der Laie nicht, der in seiner stillen Faszination die Bedeutung der Mondlandung zunächst innerlich begreifen musste.  

Im Nachhinein sind die einzelnen Details weniger von Bedeutung. Aus den wechselnden Szenen entstehen deutliche, realitätsnahe Bilder, die einprägend sind, nicht zuletzt dank der spielerischen Begabung der Schauspieler. Als John F. Kennedy erschossen wird, und Marilyn Monroe ihr berühmtes Geburtstagslied singt, sitzt eine im futuristischen Stil angekleidete Hausfrau bequem mit der Zeitung in der Hand im Wohnzimmer, Haare unter einer Haube versteckt. Noch muss man sich die Wände ihres unsichtbaren Zuhauses vorstellen, aber deutlich ist trotzdem, dass ihre Welt Lichtjahre entfernt ist von der der Politiker und Wissenschaftler, die vor ihr auf einer offenen Fläche ihren Auftritt wagen. Wernher von Braun befindet sich bei einer anstrengenden Gerichtsverhandlung. Wusste er von der Rakete V2, oder, dass....? Wenn er nicht dabei ist, geschickt auf die Fragen zu antworten, bemüht er sich mit zittriger Stimme, seine Unschuld deutlich zu machen.

Das Haus wird gebaut, Stück für Stück. Zuerst die Wände, dann verschiedene, technische Geräte, und haushaltsübliche Gegenstände. Die Frau liest weiter, ungestört und anscheinend unbewusst, dass eine gewisse Architektur gerade entsteht. Jeder beteiligt sich daran – Marilyn Monroe, der ermordete Präsident, ein Astronaut, und eine in Leder gekleidete Frau. Wenn alle fertig sind, steht die Hausfrau auf, immer noch in ihrer eigenen Welt, und kämmt sich die Haare vor dem Spiegel. Mittlerweile werden den Zuschauern andere Figuren vorgestellt: der erste Hund, der zum Weltall geschickt wurde, und der erste Affe. Dass sie keine Wahl in der Sache gehabt haben, wird verdeutlicht durch einen an einen Stuhl angebundenen Astronauten, der eine Hundemaske trägt. Begeistert und mit voller Zuneigung leckt er die Hand von Marilyn Monroe, die nun eine Astronautin aus der Sowjetunion darstellt, die erste Frau auf dem Mond, und nicht unwichtiger als die Astronauten. Sie strahlt vor Freude, als sie ihr Vita wiedergibt, sie hätte diese große Ehre durch ihre harte Arbeit und Mühe verdient. Der Affe springt mit einer nervösen Energie hin und her, irgendwann vergrößert sich seine Gereiztheit, und die in Leder gekleidete Frau, die mit ihrem Rücken zum Zuschauerraum an einem Tisch sitzt, ruft sanft nach ihm. Er scheint sich zu beruhigen.

Mit großer Energie springt diese Schauspielerin von ihrem Tisch auf die Bühne, und, mit Hilfe eines Tamburins, wird der Mond auf heidnische Art durch Gesang und Tanz gefeiert. Weihrauch füllt den Raum auf. Am Fernseher wird vom wissenschaftlichen Fortschritt berichtet; die Hausfrau steht wie in einem Trancezustand auf. Die Kartoffeln, die für das Abendmahl gemeint waren, werden nun zu Zaubersteinen. Mit voller Bewunderung von ihrer heiligen Kraft nimmt sie zwei aus der Schale, und positioniert sie einander gegenüber. Der Mond und die Erde befinden sich nun in ihren Händen. Zwar wird dem Zuschauer die Fahrt zum Mond gezeigt - drei Astronauten stehen mit stark schüttelnden Körpern in der Rakete, hinter ihnen brennt ein großes Feuer - aber schließlich ist es die Hausfrau, die, als Astronaut verkleidet, aus ihrem Haus in den Nebel hinein tritt. Sie schwebt in der Luft. Die Mondlandung hat auch den Laien erreicht, die Hausfrau von nebenan.

That's one small step for man, one giant leap for mankind. Seitdem ist dieses bedeutsame Ereignis eingeprägt worden in das kollektive Bewusstsein des Menschen. Legenden werden aus wahren Begebenheiten gebaut, und die Figuren, die ihren Anteil an der Handlung haben, werden mythisiert. Allzu schnell übersieht man den wahren Charakter jeder beteiligten Figur - und die wahre Bedeutung von jedem Schritt ihres Weges. Wir geraten in die Gefahr, trotz erfolgreicher Mondlandung, wieder in den Schatten des Mondes zu rücken. Das Stück gibt in voller Pracht und mit einer erstaunlichen Realitätsnähe die eigentliche Geschichte von der ersten, von Menschen unternommen, Fahrt zum Mond wieder. Dadurch wird das Fenster zu unserem eigenen Dasein eröffnet. Das strahlende Licht des Mondes scheint, und darin sehen wir uns.

Hinweis: Unsere Autorin ist keine Muttersprachlerin.